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»Selbst vor Nachbarhaus«

WV-Nr.: 300-25

Jahr: 1977

Maße: 128,00 x 70,00 cm

Technik: Öl auf Hartfaser

Signatur/Datierung/Bezeichnung:
Verso mit einem längeren Text

Standort:
Lindenau Museum Altenburg

Provenienz:
Nachlass der Künstlerin

Schlagworte:
Selbstbildnis als Künstlerin, Selbstporträt, Stadtansicht

Bemerkungen:
Das Gemälde steht in enger Verbindung mit der Zeichnung „Selbst, sich wendend“, zeigt jedoch vor der durch die Balkontür gesehenen Hinterhofarchitektur ein deutlich zurückhaltenderes Selbstporträt. Auffällig ist der starke Kontrast zwischen dem farbigen Bildfeld in Öl und der in Bleistift belassenen Rahmenzeichnung. Die differenzierte Ausführung von Figur und Rahmung sowie die beiden gemalten Äpfel unten links, die das Medium der Farbe wieder aufnehmen und so einen Kontrapunkt in die helle Fläche setzen, lassen jedoch keinen Zweifel daran, dass die Nebeneinanderstellung von Malerei und Zeichnung hier bewusst geschah. Anders als in vielen zeitgleich entstandenen Werken, in denen die Künstlerin das Mittel des gestalteten Rahmens zum Einsatz bringt, versammelt sie hier nicht Kommentare und Assoziationen zum Bildthema in der Rahmung, sondern setzt vielmehr die gemalte Architektur fort und überlagert zugleich die Bildrealität mit ihrem transparent erscheinenden Selbstporträt. Mit den Werkzeugen künstlerischer Arbeit ausgestattet, zugleich jedoch im Balkongitter wie in einem Käfig gefangen thematisiert Gretel Haas-Gerber zudem die Schattenseiten der Künstlerrolle: als Beobachterin, Aufzeichnerin und Kommentatorin bleibt sie stets in Distanz zum Geschehen. Die mit dem zarten Selbstbildnis angesprochene Vergänglichkeit wird auch mit der dicken, blutroten Wäscheleine thematisiert. Wie eine Ader schlängelt diese sich um den eisernen Pfahl, an zwei Stellen mit Wäscheklammern abgeklemmt. Allein es nützt nichts, ist doch am rechten Bildrand bereits das ausgefranste Ende des Fadens zu erkennen. [M. Strumann]