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»Frau in Rot mit Hut«

WV-Nr.: 300-55

Jahr: 1926

Maße: 65,00 x 46,00 cm

Technik: Öl auf Leinwand

Standort:
Privatbesitz

Provenienz:
Nachlass der Künstlerin, Verkauft durch Auktionshaus Ketterer (Juni 2012) an Privatsammlung

Schlagworte:
Porträt, Modell, Akademie München

Bemerkungen:
Dargestellt ist ein Modell der Münchner Akademie, an der Gretel Haas-Gerber in den Jahren 1926 und 1927 in der Malereiklasse des Spätimpressionisten Hugo von Habermann studierte. In der Konzentration auf die Einzelfigur ihrem Lehrer verwandt, ist von dessen unterschwelliger Sinnlichkeit in Gretel Haas-Gerbers Frühwerk jedoch nichts zu spüren. Stattdessen konzentrierte sie sich auf eine scharfe Charakterisierung von Persönlichkeit und Befindlichkeit ihrer Modelle. Hier gibt sie eine ausgehfertig gekleidete junge Frau in beklommener Körperhaltung wieder, deren an Schal und Tasche Halt suchende Finger an Porträts Holbeins d. J. erinnern und das präzise Bildgedächtnis der Künstlerin bezeugen. Auch das nur noch entfernt einer Draperie ähnelnde schmuddelige Stoffgebilde im Hintergrund zeigt die kritische Auseinandersetzung mit gängigen Porträttraditionen. Durch die farbliche Verschmelzung mit dem Hintergrund erscheint die Figur beinahe leblos – ein Eindruck, der durch die im Schatten des Hutes pupillenlos anmutenden Augen drastisch verstärkt wird. Allein die trotzig vorgeschobene Unterlippe, die einen starken Kontrast zum hell beleuchteten Inkarnat bildet, gibt eine Ahnung vom gewandelten Frauenbild der Weimarer Republik. [M. Strumann]