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»Parkgänger I«

WV-Nr.: 300-27

Jahr: 1973

Maße: 130,00 x 170,00 cm

Technik: Öl auf Leinwand

Signatur/Datierung/Bezeichnung:
Verso signiert, datiert und bezeichnet: ‚Gretel Haas-Gerber 1972/73‘, auf dem Blendrahmen mit einer Verzeichnung sämtlicher Kriege des 20. Jahrhunderts

Standort:
Privatbesitz

Provenienz:
Nachlass der Künstlerin

Schlagworte:
Sozialkritik, Vietnamkrieg, Krieg, Bombenangriff, Kinder

Bemerkungen:
Das beunruhigende Szenario ist beispielhaft für die in den 70er Jahren zunehmend sozialkritische Haltung Gretel Haas-Gerbers, die sich bildlich in einer Kreuzung von vitaler Alltagskultur und – durch Kriegs- und Katastrophenmeldungen geprägter – medialer Wirklichkeit äußert. In das bunte Gedränge, wie es an sonnigen Tagen in großstädtischen Parks herrscht, dringen schreiende und verstümmelte Kinder wie Halluzinationen ein. In ihrer schwarz-weißen Farbigkeit referieren sie auf die Bilder aus Presse und Fernsehen und bilden zugleich einen Kontrast zur grellen, fast giftigen, Farbigkeit der Parksituation. Die Körperhaltung der beiden nackten Mädchen in der Bildmitte zeigt offensichtliche Ähnlichkeiten mit dem Foto der neunjährigen Vietnamesin Kim Phuc, das der Pressefotograf Nic Út am 8. Juni 1972 nach dem Napalm-Angriff der US-Luftwaffe auf das vietnamesische Dorf Trang Bang machte. In den 70er Jahren erprobte die Künstlerin mehrfach die Einbeziehung des Rahmens als kommentierendes Medium; hier listet sie auf dem Blendrahmen sämtliche Kriege des 20. Jahrhunderts auf und weist so über den aktuellen Zeitbezug der Darstellung, den Vietnamkrieg, weit hinaus. Innerbildlich wird diese Bilanz auf die nächste Generation hin zugespitzt: der Junge links im Bild zieht – obgleich fast noch ein Baby – einen Spielzeugpanzer an einer Schnur hinter sich her. Als Katalysator der stilistischen Weiterentwicklung Gretel Haas-Gerbers hin zu einem kritischen Realismus darf das im Jahr 1969 aufgenommene Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf verstanden werden. Elemente von Neuer Sachlichkeit und Verismus leben in den Arbeiten dieser Zeit nicht nur fort, sondern werden weiterentwickelt und so für die künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen der Gegenwart produktiv gemacht.